Acrepearls – Realtime Technojazz

Mit Schlagzeug, Klavier und Saxophon und ein paar Chips und Halbleitern bewegt sich das Berlin-Potsdamer Trio Acrepearls im Grenzgebiet zwischen Jazz und elektronischer Musik.Ihre Gespräche aus Klang und Musik sind kleine Momentaufnahmen der musikalischen Freundschaft dreier vollkommen gegensätzlicher Charaktere, ihre Sessions eine Reise ins Unterbewusstsein. Thomas Leisner (Schlagzeug/Drumsynth), Nicolas Schulze (Piano/Analogsynth) und Kai Mader (Saxophon/Loops) verbinden aktuelle elektronische Sounds und Beats mit ihrer Liebe zur Improvisation indem sie die Schnittmenge von Maschine und Mensch erforschen.

Acrepearls erfinden ihre Elektronische Tanzmusik im dem Moment live auf die Bühne. Sie entwickeln in ihren Improvisationen mit Textur, Spannung und Energie einen sich stetig wandelnden und doch sehr eigenen und unverwechselbaren Sound. House, Dubstep, Ambient und andere Spielarten der aktuellen Clubmusik bekommen bei Acrepearls eine persönliche Handschrift. Die drei Musiker sind durch ihre Ausbildungen an den Musikhochschulen in Berlin, Stuttgart und Weimar tief im Jazz verwurzelt. In ihrem Projekt Acrepearls spielen sie mit innovativen Formen der Improvisation.

Als Produzent und Labelchef von Lalonova arbeitet Kai Mader in seinem Potsdamer Studio nicht nur an seinen eigenen elektronisch geprägten Produktionen und Projekten, sondern auch häufig mit Bands, die elektronische Musik mit ihrer eigenen musikalischen Sprache verbinden. Nicolas Schulze hat seinen Schwerpunkt bei der freien und experimentellen Musik. Er hat mit Ek Safar und dem Nikotrio Schallplatten veröffentlicht, ist zur Zeit mit dem Trio Faustino-Schulze-Grip unterwegs und ist als vielseitiger und virtuoser Pianist in der Szene bekannt. Thomas Leisner hat sich mit dem Delicious Drums Studio ein Labor für Drum-Samples und -Spieltechniken im Berliner Wedding aufgebaut und hat europaweit als Schlagzeuger mit verschiedene Bands getourt. Die zweite Acrepearls Studio-CD wird bald auf Lalonova erscheinen.

 

Was die Presse zu Acrepearls schreibt:

 

 

What’s especially appealing about Polar Sounds is how Acrepearls treat their melodies after they’ve been crafted.  The trio keeps the melodies simple, short and to the point.  They are each pretty in their own way, and very focused… as if a solitary raindrop were meant to only capture a solitary ray of sunlight and nothing more.  But once that melody is set free, pianist Nicolas Schulze, drummer Thomas Leisner and saxophonist Kai Mader jostle it with waves of electronics, nudge it forward with staggered tempos, let it glide over serene waters, and sometimes bring a turbulence to those same waters with bursts of dissonance.  The motion from these actions results is an illusory reshaping of the melodies… obscuring some aspects of them, skewing the attention to one aspect of the melody, and sometimes setting it to resonate at a frequency quite different than that which first accompanied its arrival.

“Boyz” is the approximation of excited dance in a tranquil environment. The disjointed locomotion of “Homeopathic” gives the sense of a melody attempting to take two separate paths.  The slippery tempo of “Minsk” is the sonic equivalent of running up the down escalator. But the album is at its strongest when it charts a course through serene environments.  “Lonesome Floeways” is a lullaby out on the prowl for sleepy heads.  The slow build of tension on “Foggy cold-air in the valleys and depressions” shows how rising volumes can add intensity to the expression without subtracting from the strength of the tranquility.   And the combination of an erratic drone and a sing-song melody on title-track “Polar Sounds” is absolutely mesmerizing. Some massively arresting moments on this gorgeous recording.

Your album personnel:  Thomas Leisner (drums, drumsynth), Nicolas Schulze (piano, analog synth) and Kai Mader (tenor saxophone, loops).

 

 

cover_acrepearlsEs ist immer wieder faszinierend und schön, Musik aus Potsdam zu hören, die man hier so gar nicht vermuten würde. Oder eigentlich gerade doch hier?! Mit Schlagzeug, Klavier, Saxophon und ein paar soundreichen elektronischen Tasten und Reglern erschaffen Thomas Leisner (Schlagzeug/Drumsynth), Nicolas Schulze (Piano/Analogsynthesizer) und Kai Mader (Saxophon/Loops) eine kleine, aber feine Klangwelt – irgendwo zwischen hausgemachtem Jazz und elektronischer Lounge-Musik. Alles ein bisschen abstrakt, aber immer mit dem gewissen warm-wohligen Gefühl und einer sanften, die unterschiedlichen Sound-Teppiche zusammenhaltenden Melodie. Im Gegensatz zu manch anderer ähnlich gearteter »Lounge-Musik«, die auf Dauer eher einschläfernd wirkt, lassen die Jungs bei ihrer Musik immer noch genügend Ecken und Kanten. Auch dieses gewisse Live-Feeling einer Band bleibt wunderbar erhalten. Das alles hält die Sache natürlich auch auf Dauer spannend. Erwähnte ich eigentlich schon das es hier keine Vocals gibt? Das ist tatsächlich auch mal schön und inspirierend, eröffnet es doch beim Hören ganz andere Zusammenhänge und macht die Kompositionen natürlich auch ein bisschen freier, bzw. entkoppelt es die Musik ein wenig vom Strophe-Refrain-System. Das Ganze funktioniert im Übrigen auch live (und u.a. auch in Potsdam dann und wann zu sehen). Sehr gern mehr hiervon!

 

Acrepearls bei Jazzoffensive

Clubtauglich

Potsdamer Jazzband Acrepearls spielt zur Jazzoffensive in der fabrik

Von Oliver Dietrich, Potsdamer Neueste Nachrichten, erschienen am 07.10.2016.

Heute Abend in die Disko oder lieber zum Jazz-Konzert? Eine Frage, die sich bei den Potsdamer Electro-Jazz-Pionieren Acrepearls gar nicht erst stellt: Ihre Musik ist eine Fusion aus klassischen Jazz-Elementen – die Band besteht aus Schlagzeug, Saxofon und Klavier – und der monotonen Rauheit von Electroklängen. Irgendwo zwischen Easy Listening und Free Jazz entsteht dabei eine Klangwelt, die gleichermaßen einnehmend und tanzbar ist. Am Samstag sind Acrepearls bei der „Jazzoffensive“ in der Schiffbauergasse live zu erleben, ab 21 Uhr in der fabrik. Die „Jazzoffensive“ findet bereits zum zweiten Mal statt, nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr. Zwischen Swing und Nu Jazz soll es den ganzen Abend alles Vorstellbare aus dem Bereich Jazz geben.

„Wir wollten das ganz bewusst clubtauglich machen“, sagt Acrepearls-Saxofonist Kai Mader. Seit 15 Jahren macht er zusammen mit Drummer Thomas Leisner schon Musik, und immer wieder landeten sie bei der Verschmelzung von Jazz und Electro. Strange Fluid hieß die erste Band, die mit Live-Drum’n’Bass-Sets auf die Bühne kam, für das Folgeprojekt wurde Bassist Joh Weisgerber verpflichtet. Die Aufnahmen für das Album entstanden schon 2014, veröffentlicht wurde es aber erst jetzt. „Die Platte hat schon ewig im Kühlschrank gelegen“, sagt Mader. „Die musste jetzt einfach raus.“

Auch wenn die Band jetzt in anderer Besetzung spielt: Bassist Weisgerber ging eigene Wege, neu an Bord ist mit Pianist Nicolas Schulze, der zusammen mit Oliver Fröhlich das „JazzLab“ in der fabrik als dauerhafte Veranstaltungsreihe initiierte, neben „JazzTime in Babelsberg“ die zweite Potsdamer Jazz-Reihe. Beide Konzertabende arbeiten jedoch nicht gegeneinander, sondern miteinander. Die Neubesetzung bei Acrepearls brachte jedoch einen kreativen Schub mit sich: Mittlerweile wurde das zweite Album aufgenommen, das live im „Spartacus“ mitgeschnitten wurde, und im kommenden Frühjahr erscheinen soll. „Und das wird ganz anders als das erste“, verspricht Mader.

Musikalische Vorgaben setzt sich die Band nicht, alles ist improvisiert, konzeptionelle Musik. „Wir arbeiten mit Spannungsbögen, Grooves und Atmosphären“, sagt Mader. „Die Dramaturgie ist uns wichtig.“ Und genau darin liegt auch die spürbare Parallele zum Electro: Einen klassischen Jazzabend, bei dem die Musiker nur Solo-Ping-Pong spielen, kann man am Samstag also nicht erwarten. Dafür aber ein atmosphärisches Konzert mit dem Potenzial zum Tanzen. Oliver Dietrich

 

Jazz

Acrepearls nehmen neues Album auf

Das Elektro-Jazztrio Acrepearls läss sich bei der Arbeit zuschauen. An diesem Mittwoch und Donnerstag nehmen die drei Musiker vor Publikum im Potsdamer Kulturzentrum „Freiland“ ihr neues Album auf. 25 Funkkopfhörer werden an Zuhörer verteilt, der Sound wird von fein ausgesteuerten Mikrofonen übertragen. Vier Sessions sind geplant, die Musik entsteht beim Spielen.

Von Lars Grote, Märkische Allgemeine Zeitung, erschienen am 02.02.2016.

Potsdam. Kai fuhr hinter einem Laster auf der Autobahn, der dicke Wagen vollgeladen mit Kartoffeln, und auf der Plane stand groß „Ackerperlen“. Das Wort hat Kai im Kopf gedreht, zerlegt und übersetzt, auf Englisch kriegte es auf einmal einen Sound, der wie ein Loblied auf das Landleben geklungen hat. Seither nennt sich die Band, in der er spielt, Acrepearls. Ein Wort, das es im Englischen nicht gibt – doch die Musik, die Kais Band spielt, gibt es im Grunde auch nicht. Nicht zumindest nach den Maßstäben des Radios, das zwischen sechs und 20 Uhr Musik verabreicht, die wie Gutelaunepillen wirken sollen.

Die Stücke der Acrepearls sind zu leichthändig, um sie zu greifen, sie verlassen sich nicht auf Noten, sondern auf „Kopf, Herz, Bauch“, wie Kai Mader das nennt. Auf Stimmung und Intuition. Für solche Töne gibt es keinerlei Kategorie. „Die Musik ist eine Art Gespräch, wir unterhalten uns. Ohne Worte. Während wir reden, stellt sich heraus, worüber“, sagt Kai.

Ein Whisky, ein Kuss oder ein anderer Grund, wach zu bleiben

Acrepearls mischen Jazz und Elektronik, in der Summe klingt das nach Musik für Mitternacht, für jene Stunde also, in der man einen Whisky braucht. Einen Kuss. Oder einen anderen Grund, noch nicht ins Bett zu gehen. Der Zauber liegt in der Gemengelage aus akustischer und elektronischer Musik. Hier Saxofon, Klavier und Schlagzeug, dort Loops, Synthesizer, Chips und Halbleiter.

„Wir suchen nach der Schnittmenge aus Maschine und Mensch“, sagt Kai, der schon lange mit Thomas Leisner zusammenspielt, beide sind sie Mitte 40. Vor einem Jahr kam Nico Schulze dazu. Kai zog nach Potsdam, wohnt nun zwei Etagen über Nico, die Kinder lernten sich kennen. Dann auch die Väter. Kai und Nico merkten: Wir haben beide Musik studiert. Wir mögen beide Jazz. Nico ist Ende 30. Mit Kai und Thomas bildet er nun ein Trio. „Als Menschen sind wir drei vollkommen verschieden“, glaubt Kai. „Thomas am Schlagzeug zieht die Kraft aus dem Kopf, Nico am Klavier aus dem Herzen, ich mit meinem Saxofon aus dem Bauch.“ Für elektronische Zusätze sind sie am Ende alle drei zuständig.

25 Funkkopfhörer für die öffentliche Session
Die Aufnahmen zum neuen Album der Acrepearls finden an diesem Mittwoch und Donnerstag im Spartacus-Club des Potsdamer Kulturzentrums „Freiland“ statt (Friedrich-Engels-Straße 22). Beginn der Sessions je um 20 und 22 Uhr, Einlass 15 Minuten vorher. Zuhörer bei den Aufnahmen sind erwünscht, es stehen 25 Funkkopfhörer pro Session zur Verfügung. Um Anmeldung wird unter Angabe von gewünschtem Tag und Uhrzeit gebeten. Mails an Kai Mader: office@lalonova.de

Kai ist vor einem Jahr aus einer Landkommune ausgezogen, er lebte 20 Jahre dort, Kanin bei Beelitz. Gerade erkundet er den Konzertsaal vom „Freiland“, einem Potsdamer Kulturzentrum – in der Ecke ein Tisch zum Kickern, schwarze Vorhänge vorm Fenster, ein Mirrorball unter der Decke, so ein Ball aus kleinen Spiegeln, der das Licht als Punkte in den Saal zurückwirft. Hier wollen sie an diesem Mittwoch und Donnerstag ihr neues Album aufnehmen. Bis zu 25 Menschen können in den Saal, sie kriegen Funkkopfhörer, bekommen alles über hochauflösende Mikrofone mit. Es gibt drei kleine Bühnen, auf denen die drei Musiker stehen, eines mit Konzertflügel. Wohin die Reise geht, wissen sie noch nicht. „Einer fängt an, die anderen setzen ein“, sagt Kai. Thomas, der Schlagzeuger, ein großer, ruhiger Kerl, ergänzt: „Wir werden leise beginnen und uns langsam in Schwung spielen, auch das Publikum sollte zunächst Ruhe bewahren. Später kann es gerne umherlaufen. Durch die Kopfhörer erfährt es selbst auf der Toilette, was auf der Bühne läuft.“

Wie kann man diesen Abend vorbereiten, der so spontan verlaufen soll? „Wir proben, aufeinander zu hören, uns nicht ins Wort zu fallen. So entwickeln wir Gewürze und Farben.“ Das Beste daran: Die Acrepearls lassen sich bei der Arbeit live belauschen. Quasi bei ihrer Kartoffelernte. Nur die schönsten Perlen des Ackers kommen aufs Album. Lars Grote